Tanger — ein Loblied


„Burroughs is in Tangiers I don’t think he’ll come back it’s sinister. „

Das ist eines der wenigen Ginsberg Zitate, das mir aus meinen Studienjahren noch in Erinnerung geblieben ist. Was Kerouac angeht, bin ich ein wandelndes Lexikon, aber Ginsberg war bei mir immer etwas blass. Jedenfalls ist Allen dann auch nach Tanger gefahren, zusammen mit Kerouac, um Burroughs zu sehen, um dem Alten William mit seinem Roman auf die Sprünge zu helfen und ihn ein bisschen von den Opiaten runter zu kriegen.

Was hat den alten Hund hier nun so gefesselt?

Frisch ausgewandert ist der Strand nicht weit

Tanger ist einfach liebenswert. Ein Charme, der in den Straßen liegt, über der Strandpromenade, der durch die Gassen der Medina weht. Die Medina, auf dem Hügel gelegen, jede Straße schräg, alle schmal, verwinkelt, mittendrin der Petit Socco, auf dem Burroughs sich damals gern kleine Jungs klarmachte. Ich trinke einen Kaffee auf einer Terasse über dem Platz. Es früher Morgen, nicht viel los, die Stadt schläft noch, Tanger wacht immer spät auf. Nur ein Beispiel: Die meisten Hotels hier servieren Frühstück von neun bis elf.

Im Stammhotel der Beatniks, dem Muniria, gibt es unten im Keller noch immer die Bar, in der Will am liebsten soff. Mein Zimmer hat ein Bad, darin gibt es eine Dusche, sogar ein BD, aber keine Toilette. Ich pisse also ins BD, aus dem Fenster kann ich dabei das Meer sehen.

Die Bucht von Tanger, ruhig liegt sie meistens da, bei gutem Wetter sieht man vom Strand der Stadt aus in der Ferne die europäische Küste. Jetzt, Anfang Januar ist hier nicht viel los. Im Winter kommen die Touristen nur über Weihnachten und Neujahr.

Warum bin ich also hier um diese Zeit? Eine Frau natürlich. Sie ist Marokkanerin, sie lebt in Casablanca, will aber demnächst zu mir ziehen. Ihre Familie ist traditionell, die Regeln des Islam und so weiter. Wird das Probleme geben? Aber sicher doch.

Vorerst gibt es aber ganz praktische Sorgen.

Papierkram zum Beispiel.